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Ihre königliche Hoheit – Rudolf I.

Rudolf Seiters

Rudolf Seiters

Dr. Rudolf Seiters ist einer der profiliertesten, angesehensten und bekanntesten Politiker Deutschlands. Er wurde im Jahre 1937 in Osnabrück geboren und lebt in Papenburg. Nach dem Jurastudium an der Westfälischen Wilhelms-Universität und der Ablegung des ersten und zweiten Staatsexamens arbeitete er beim Regierungspräsidenten in Osnabrück. Rudolf Seiters ist verheiratet und hat drei erwachsene Töchter.
Seine politische Laufbahn startete der heutige Aalkönig als erster Vorsitzender der damals neu gegründeten Junge Union in Niedersachsen. Danach begann seine steile Karriere, wie sie nur wenige in Deutschland machten. Von 1969 bis 2002 vertrat er 33 Jahre lang seinen Heimatwahlkreis Unterems im Deutschen Bundestag. Mit 65 Jahren schied er freiwillig aus der Politik, nachdem er seine Nachfolgekandidatin selbst mit ausgesucht hatte.
Bereits nach zwei Jahren Zugehörigkeit zum Parlament war Rudolf Seiters in die Fraktionsführung aufgerückt und hatte dort wichtige Ämter bekleidet. Für einen Neuling im Parlament eine außergewöhnliche Auszeichnung. Seit 1971 bekleidete er mit Unterbrechung insgesamt 12 Jahre das Amt des Parlamentarischen Geschäftsführers der CDU/CSU-Bundestagsfraktion. Er wurde stets mit den meisten Stimmen gewählt. Dies zeigt, dass er unter seinen Kollegen im Parlament und innerhalb der politischen „Kaste“ den allerhöchsten Ruf genoss und auch noch genießt – nicht nur bei seinen politischen Freunden, sondern in hohem Maße auch bei seinen politischen Kontrahenten. Seiters ist kein Mann des offenen und öffentlichen Streites, sondern ein Mann des Ringens um Verständigung, um das Machbare und auch um den Konsens, wo er benötigt wird.
In diesen langen Jahren hatte sich Rudolf Seiters ein fachliches politisches Fundament erarbeitet, das ihn für weitere Aufgaben empfahl. Im April 1989 berief ihn Bundeskanzler Kohl zum Bundesminister für besondere Aufgaben und Chef des Bundeskanzleramtes. Als Koordinator der gesamten Arbeit der Bundesregierung und als Verbindung zum Parlament war er die „rechte Hand“ des Bundeskanzlers. Er war aber auch der zuständige Minister für die innerdeutschen Beziehungen zwischen der Bundesrepublik und der DDR. In seine Amtszeit fällt der Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa und in Ostdeutschland. Er war es, der die Fahrt der 7.000 Prager Botschaftsflüchtlinge in den Westen vorbereitete und durchführte – damals, als Außenminister Genscher gemeinsam mit Rudolf Seiters auf dem Balkon der deutschen Botschaft in Prag unter dem Jubel der Ostdeutschen deren Ausreise verkündete. In seine Amtszeit fallen auch die Öffnung der Grenzen in Ungarn, der Fall der Mauer, der 10-Punkte-Plan und die Schaffung der Deutschen Wirtschafts- und Währungsunion.
Vor allem diese bedeutende und entscheidende Rolle von Rudolf Seiters bei der friedlichen Gestaltung der Wiedervereinigung Deutschlands 1989/1990 wird national und international gewürdigt. Dass er damals entscheidende Weichen gestellt hat, ist heute schon Geschichte geworden. Ein Beobachter stellte fest: „In diesem knappen Jahr, in dem diese ungeheuer herausfordernde Arbeit geleistet wurde, war das Kanzleramt und damit auch der Kanzleramtsminister Rudolf Seiters in noch weitaus stärkerem Maße, als in unserem politischen Aufbau ohnehin üblich, die alles entscheidende Zentrale der politischen Gestaltung.“ Die Verleihung der Würde eines Dr. rer. pol. Ehrenhalber der Universität der Bundeswehr München und des Großen Bundesverdienstkreuzes mit Stern sind Ehrungen, die ihm für seine Leistungen zuteil wurden.
Im November 1991 wurde Rudolf Seiters zum Bundesminister des Inneren berufen. Unter seiner Verantwortung wurde das wohl wichtigste innenpolitische Gesetzgebungsverfahren der 12. Legislaturperiode verabschiedet, die für den inneren Frieden so wichtige Novellierung des Asylrechts. Dadurch wurde es möglich, die wirklichen Asylsuchenden von den immer zahlreicher werdenden Wirtschaftsflüchtlingen zu trennen. Im Juni 1993 übernahm er die politische Verantwortung für Fehler beim Fahndungseinsatz gegen RAF-Terroristen in Bad Kleinen, bei dem zwei Personen ums Leben kamen. Auch dieser Rücktritt hat Rudolf Seiters vor allem Respekt in einer breiten Öffentlichkeit eingebracht, denn er übernahm Verantwortung ohne eigenes Fehlverhalten.
Nach der Bundestagwahl 1994 war er bis 1998 stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion und dort für die Bereiche Außen-, Verteidigungs- und Europapolitik zuständig. Nach der Bundestagswahl 1998 wurde er erster Vizepräsident des Deutschen Bundestages. Beobachter sind sich einig, dass Rudolf Seiters immer in besonderem Maße ein Mann des Parlaments gewesen ist. Deshalb kann man davon ausgehen, dass ihm dieses Amt besonders viel Freude gemacht hat. Alle Abgeordneten rühmten seine souveräne Leitung der Bundestagssitzungen.
Das fünfundsechzigste Lebensjahr, in dem Rudolf Seiters seine politischen Ämter niederlegte, sollte jedoch nicht das Ende seiner beruflichen Laufbahn sein. Eine neue Herausforderung kam auf ihn zu: Seit 2003 ist er nunmehr schon sieben Jahre Präsident des Deutschen Roten Kreuzes. Er leitet damit eine der größten und leistungsstärksten privaten Hilfsorganisationen der Welt. Wie eh und je meistert er auch diese Aufgabe mit großem Einsatz und viel Erfolg.
Rudolf Seiters verfügt über eine angeborene Stetigkeit und Gelassenheit – gewiss eine herausragende westfälisch-niedersächsische Eigenheit. Er ist ein erfolgreicher politischer und persönlicher Moderator, der „personifizierte Vermittlungsausschuss“, wie der Verfasser dieser Zeilen in langen Jahren der Zusammenarbeit erfahren durfte.

Prof. Dr. Horst-Dieter Westerhoff