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Rosi I. hat den Thron bestiegen

Rosi Mittermaier

Rosi Mittermaier

Bad Honnefer Aalkönige waren bislang samt und sonders Männer, gestandene Exemplare mit großer Bühnenerfahrung, ob in der Politik oder auf den Brettern des Kabaretts. Ausdruck einer Tradition, deren Wahrung sich in einer konservativ geprägten Stadt wie Bad Honnef  dringend empfiehlt. DER Aal ist schließlich auch maskulin. Ganz anders seine femininen Gespielinnen wie DIE Forelle oder DIE Makrele. Das Bad Honnefer Aalkönigkomitee besteht zwar nicht nur aus gebürtigen Rheinländern, aber auch die übrigen Mitglieder haben längst verinnerlicht, dass am Rhein Traditionen tunlichst nicht gebrochen werden  – auch nicht nach mehreren penetranten Hinweisen der Bürgermeisterin auf angeblich frauenfeindliche Tendenzen in dem Club der A(a)lten. Deswegen hier und heute das Versprechen: Bad Honnefer Aalkönige sind immer Männer gewesen und werden es auch in Zukunft sein.
Wenn wir im Jahre 2009 Rosemarie Mittermaier küren, dann hat sich das Komitee nicht für den 7. Aalkönig, sondern für die 1. Bad Honnefer Aalkönigin entschieden – und dazu stehen wir. Zu keiner Zeit bestanden bei der mehrfachen Ski-Weltmeisterin und Olympiasiegerin irgendwelche Zweifel an ihrer genetischen Substanz, niemals musste sie fürchten, trotz eindeutiger Bestzeiten in Abfahrt und Slalom ihrer Medaillen wieder beraubt zu werden.
Fort mit diesen absurden Vergleichen! Wer heute von Rosi Mittermaier hört – und da schließe ich auch diejenigen ein, die zur Zeit ihres größten Triumphes im Jahre 1976 noch gar nicht geboren waren –, verbindet mit diesem Namen eine der erfolgreichsten und zugleich sympathischsten, weil bodenständig gebliebenen deutschen Sportlerinnen. Bei den olympischen Winterspielen in Innsbruck gewann die heute 59-jährige Münchnerin, geboren in Reit im Winkel zwei Goldmedaillen in der Abfahrt und im Slalom und die Silberne im Riesenslalom. Im gleichen Jahr wurde sie Weltmeisterin in der Alpinen Kombination und errang den Gesamtweltcup. Seither ist sie als „Gold- Rosi“ bekannt. Sie erreichten damals, so schreibt sie in einem Buch, zwischen 40.000 und 50.000 Telegramme Briefe, Päckchen und Postkarten. Wohl gemerkt: damals gab es noch keine Clickerei per E-Mail.
Verheiratet ist sie seit 1980 mit dem ehemaligen Skirennläufer Christian Neureuther. Sie haben zwei erwachsene Kinder, Ameli und Felix, der sich inzwischen auch einen Namen auf den Pisten der Welt erfahren hat. Das Bad Honnefer Aalkönigkomitee ist wahrlich nicht die erste prominente Vereinigung, die Rosi ehren und zugleich mit ihrem Namen auch Sympathien für eigene Anliegen wecken will. Denn wer zu ihrer Krönung erscheint und mit ihr im schönen Kursaal feiert, fördert zugleich Honnefer Jugendprojekte...
Unsere künftige Aalkönigin hat 2004 für die CSU in der Bundesversammlung Horst Köhler als Staatsoberhaupt mit gewählt. 2007 überreichte Edmund Stoiber der Sportlerin in einer seiner letzten Amtshandlungen den begehrten Bayerischen Verdienstorden. Wie sehr sie auch für Zukünftiges noch gefragt ist, beweist ihre Nominierung für das Ehrenpräsidium des Organisationskomitees der Alpinen Skiweltmeisterschaften 2011 in Garmisch-Partenkirchen.  Wir vom Honnefer Aalkönigkomitee können der Alpenländlerin nur empfehlen, mit ihrer neuen Königswürde auch in den nördlichen Regionen ordentlich die Werbetrommel zu rühren. Wer außer ihr könnte die Fischköppe heißer auf  die WM in Garmisch  – und nebenbei auch auf Bad Honnef am Rhein – machen als Queen Rosi I.?
Wie lebt ein Weltstar heute, mehr als dreißig Jahre nach seinen größten sportlichen Erfolgen? Kurze Antwort: so normal und zugleich vorbildlich, dass wir vom Komitee sie in voller Überzeugung in die prominente Galerie der Clement, Späth, Beikircher, Merz, Steinbrück und Genscher aufgenommen haben.   
Zwei Honnefer Bürger sind zu Jahresbeginn eigens nach Garmisch-Partenkirchen gefahren, um – in aller Diskretion – Rosi für Bad Honnef und seine Aaltradition zu bewegen. Friedhelm Ost als Komitee-Chef bediente sich bei der Brautwerbung der Unterstützung seines früheren Kollegen Manfred Speck, der als Staatssekretär im Bundesinnenministerium engen Kontakt zum Sport gehalten hat. Sie erlebten Rosi und Christian in ihrem gemütlichen Haus am nordwestlichen Rand von Garmisch, unweit des Friedhofs und der Bayernhalle. Gleich hinter dem Haus geht es bergan auf den 1.985 Meter hohen Kramer. Dort hinauf machen die beiden oft noch ihren Abendspaziergang und genießen den Blick auf das Zugspitzmassiv.
Das sind dann die Augenblicke, in denen die beiden, sie eine fromme Katholikin, er ein Protestant, der aber den bayerischen Papst „über den Schellenberg“ lobt, innehalten, das Klick-klack ihrer Nordic Walkingstöcke abbrechen und die Stille des Augenblicks ehren. So ähnlich hat es der bekannte Münchner Journalist Hermann Unterstöger nach einem Besuch beschrieben. Dieses Nordic Walking, das auch den Wanderern am Rhein und im Siebengebirge vertraut ist, haben die beiden ehemaligen Pistenchampions zu ihrer neuen Herausforderung erkoren.
Jedenfalls gelang es Unterstöger, der nach eigenem Bekunden trotz bajuwarischer Herkunft, den „Bergen am liebsten aus dem Weg geht“ und auch mit den Stöcken nichts am Hut hat,  nicht, die Empathie seiner Gastgeber zu stoppen. Seinen Lesern in der Süddeutschen Zeitung reportierte er nach einer ausführlichen Nordic-Therapie in der Küche der Neureuthers pflichtgemäß distanziert, aber gekonnt präzise  deren „Sinnbild einer positiven Lebenseinstellung“:
 „Dieses Greifen des Stockes während der Schwungphase und gleich danach dieses Loslassen während der Schubphase ist nicht nur Teil des ganzheitlichen Körpertrainings, sondern dank des händisch bewirkten Pumpeffekts auch ein Beitrag zur Entspannung der Schulter- und Nackenmuskulatur und zur Verbesserung der Blutzirkulation“. Dass beide diese Theorie selbst in der Küche mit praktischen Laufübungen illustrieren, versteht sich von selbst.
Vielleicht gelingt es uns Flachländern, unsere neue Aalkönigin ja einmal für eine Demonstration an Bord des Aaalschokkers „Aranka“ im Honnefer Hafen zu gewinnen, um zu beweisen, dass man fürs zünftige Aalefischen keine Netze mehr braucht, sondern die Ernte auch mit richtig geschwungenen Stöcken aus dem toten Rheinarm fangen kann.
Ihr Entdecker Manfred Speck ist zuversichtlich. Er weiß: „Rosi Mittermaier ist eine begeisterte Anhängerin eines Leistungssports, der auf eine gesunde, humane und manipulationsfreie Basis setzt.“

Klaus Wirtgen