Auswahl filtern nach


Konrad Beikircher wird Aalkönig 2005

Konrad Beikircher

Konrad Beikircher

Der Kabarettist Konrad Beikircher als „Aalkönig„ von Bad Honnef?  „Konrad I.„ als Thronfolger so bekannter Politiker wie „Wolfgang I.“ (Clement) und „Lothar I." (Späth)?

Wer diese Fragen stellt, dem kann geholfen werden. Denn im Gegensatz zu seinen politischen Vorgängern verdiente Beikircher genau genommen sogar eine doppelte Krönung –- einmal als „König“ und einmal als „Aal“.  Als „König“  ganz einfach deswegen, weil 25 000 Honnefer Bürger sich seit dem Jahre 2003 als „Wolfgang I.“ seine Herrschaft antrat, an die Monarchie gewöhnt haben. Sie können und wollen ohne gekröntes Oberhaupt nicht mehr leben. Im Jahre 2004 schafften sie es nur mit größter Mühe und einer aufregenden Stichwahl, sich auf eine demokratisch gewählte Autorität an der Spitze ihrer Stadt zu einigen. Soweit zum „König“. Jetzt zu „Konrad, dem Aal“.

Ein Blick auf die Vita des knapp 60-jährigen Kabarettisten entlarvt ihn als ein Lebewesen, das sich so gewandt und raffiniert durch den eigenen Lebensweg geschlängelt hat, dass es professionellen Fahndern und Biografen kaum möglich ist, alle Stationen  seiner Wanderung und seine zahlreichen Laichplätze nachzuvollziehen. Kaum meinen diese Grobsensoriker, ihn irgendwo geortet zu haben, da ist er längst wo ganz anders untergeschlüpft und amüsiert sich über seine Verfolger. Wie die Aale im Rhein, wenn ein kühner Schwimmer versuchen sollte,  sie mit der Bratpfanne zu erwischen. Beikircher ist ein Aal. Er  muss mindestens eine menschgewordene Abart dieser geheimnisvollen Spezies Fisch sein, die sich ungern erwischen lassen, selten ans Telefon gehen, höchstens per Fax oder über Dritten kommunizieren und –wenn es sich nicht lohnt– sogar im angebratenen Zustand noch aus der Pfanne flutschen.

Zwei Tage vor Heiligabend, als sich alles schon auf die Bescherung konzentrierte, wurde der kleine Konrad am 22. Dezember 1945 im italienischen Bruneck in Südtirol geboren. Katholisch ja, aber nicht rheinisch. Mit seinen zwei Brüdern wuchs er im Pustertal auf, wo trotz der Zugehörigkeit zu Italien heute noch der  südtiroler Dialekt die Umgangssprache ist. In Bozen machte er Abitur und studierte anschließend in Wien Zeitungswissenschaften. Er wusste mit dem Klavier, der Geige und Gitarre umzugehen, begeisterte sich für den Wiener Kabarett-Grantler Qualtinger und verdiente sich mit dessen Texten so manchen Schoppen beim Heurigen. Erst 1965 erreichte der umtriebige Jüngling die schöne Stadt Bonn. Dort studierte er Psychologie, Musikwissenschaften und Philosophie und schloss 1971 das Studium als Diplom- Psychologe ab. Zugleich kellnerte und sang sich das ebenso lustige wie nachdenkliche Multitalent durch Bönnsche Kneipen und Kleinkunstbühnen. Urplötzlich wechselte er  –ganz Aal– in tiefere Gewässer. Er ging in den Staatsdienst und wurde Gefängnispsychologe in Siegburg, speziell für junge Strafgefangene. Fünfzehn Jahre widmete er sich dieser ernsthaften Aufgabe hinter Gefängnismauern. Als er zum Regierungsdirektor (A15) befördert werden sollte, behielt der „ Aal“ die Oberhand über den Beamten. Fortan erkor er zum Beruf, was er bis dahin in seiner Freizeit schon kräftig eingeübt hatte: Kabarett und Musik in Bonn und Köln, Moderation für WDR und –vor allem– intensive Befassung mit dem rheinischen Dialekt und den Sitten und Gebräuchen zwischen Bonn  und dem Kölner Altermarkt. Die „Frau Walterscheid“  aus Bonn-Beuel, die Bäckersfrau „Roleber“ aus dem gleichnamigen Bonner Stadtteil wurden zu Kunstfiguren, die er ab 1984 im WDR zu Wort kommen ließ. Sie ließ er mit frechen Sprüchen in blumigem Rheinisch das aufspießen, was ihm, dem inzwischen zum deutschen Staatsbürger mutierten liberalen Europäer,  gegen den Strich ging. Es waren vor allem die Themen, die am rechten Rand gepflegt wurden: gegen Asylanten, wilde Ehen, Homos und Farbige. Sein erstes Kabarett-Programm „Himmel und Ääd“ wurde ein Klassiker. Diesem Start zur  „Rheinischen Trilogie“ folgte zunächst „Wie isset? ...Jot“ und 2002 als siebter Teil seines rheinischen Missionswerks „..und sonst?“ Wer kennt nicht das „Rheinische Grundgesetz“ mit Artikel eins „Et kütt wie et kütt“?

Zugleich schlängelte sich „Aal Konrad“ aus den seichten Wassern zielsicher auch in die großen Konzertsäle, in den Blickpunkt der Noblen und Feinen. Er moderierte Konzerte mit großen Orchester und präsentierte zusammen mit Lars Vogt das Komponisten-Porträt Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“ auf der Bühne. Er schrieb Kinder- und Kochbücher, sang italienische Lieder und schrieb 2004 unter dem Titel „Palazzo Bajazzo“ humorige Konzertführer. Als „rheinischer Botschafter“ engagierte er sich bei Benefizveranstaltungen für UNICEF . Unlängst unterhielt er auf einer Operngala in Köln zugunsten der AIDS-Stiftung die High Society mit rheinischen Zwischen-Sprüchen. Natürlich wurde er mit dem sparsam verliehenen Verdienstorden des Landes Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. Seine jüngste Ehrung: der „Große Kulturpreis 2005 der rheinischen Sparkassen“ für sein Gesamtwerk. Doch erst am 14 .Oktober hat er den Karrieregipfel erschwommen: er ist „Konrad I.“, dritter Bad Honnefer Aalkönig.

Wer meint, „Aal Konrad“ sei den Königsmachern des Honnefer „Aalkönigkomitee“ so mir nichts, dir nichts in die Netze des Aalschokkers „Aranka“ am alten Arm des Vater Rhein geschlüpft, liegt –schön wär´ s gewesen– total daneben. So einfach macht es ein Aal vom Kaliber Konrad Beikircher nicht. Es musste schon ein edles Souper eines Sternekochs in einem Kölner Edellokal sein. Nicht, dass sich Konrad Beikircher dort hätte bewirten und dann anwerben lassen. Ein Aal seines Schlages ist nicht zu ködern. Unauffällig tauchte er nach dem Dessert in dem Restaurant auf und wollte –ohne Aufsehen– seine gesättigte Frau abholen. Da schlug das Honnefer Aaalkönigkomitee zu – und wenn diese Truppe  einen Aal mal gepackt hat und nicht mehr losläßt, dann fängt der Spaß erst richtig an, für den „König „ und für Bad Honnef.

Klaus Wirtgen

Die Inthronisierungsrede von Konrad Beikircher finden Sie hier ›